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Konjunktur und Kapitalmärkte 2026


Jahr des Aufschwungs?

Am 28. Januar stellte Herr Dr. Holthusen, Bereichsleiter Research der DZ BANK, während der Veranstaltung „Konjunktur-, Zins- und Währungsprognose für das Jahr 2026“ seine Prognosen für das aktuelle Jahr vor und verhalf unseren Mitgliedern so ein weiteres Mal zur Orientierung für ihre geschäftlichen sowie privaten Finanzdispositionen.

Für die Weltwirtschaft sind und bleiben die Zeiten gerade herausfordernd, das machten Dr. Holthusens Ausführungen im Forum Bogenhausen deutlich.


Trump 2.0: Die Welt in Unordnung

Denn Trumps Kapriolen schüren Unsicherheiten, beschädigen das Vertrauen weltweit und demontieren die Demokratie in den USA. So zeigt sich zu Beginn des Jahres 2026 eine durch Trumps zweite Amtszeit radikal veränderte Weltordnung, in der die USA, China und Russland um die globale Vorherrschaft ringen, während Europa zunehmend in die Defensive gerät.


Konjunktur 2026

Ein Szenario, das sich auch wirtschaftlich niederschlägt: In den USA haben sich durch die kräftig gestiegenen US-Zölle die Einnahmen für die US-Regierung stark erhöht. Dank einer „K-shaped Economy“, die die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandertreibt, können in Amerika Besitzer von Immobilien und Aktien weiterhin Gewinne verzeichnen und ihren Konsum steigern. Ein besonderes Wachstum ist derzeit bei KI-Investitionen zu beobachten: Mit rund 50 Prozent des gesamten Investitionsvolumens im gewerblichen Bereich stützen sie das Wirtschaftswachstum der USA. Dennoch dürften die Zölle die Inflation auf lange Sicht weiter antreiben und die amerikanische Konjunktur im Laufe des Jahres bremsen.

Auch wenn die Weltwirtschaft unter Trumps Zöllen weniger leidet als gedacht – Dr. Holthusen prognostiziert ein globales Wachstum von rund drei Prozent für die kommenden zwei Jahre –, so tut sich doch Deutschland, belastet durch das Wegbrechen des chinesischen Marktes, schwer mit Exporten. Bereits seit 2018 ist die Industrieproduktion hier rückläufig. Grund ist die strukturelle Krise unseres Landes, dessen industrielle Stärke nicht auf Softwareentwicklung oder Halbleitertechnologie basiert, sondern im Bereich der mitteltechnologischen Industrie mit begrenztem Wachstumspotenzial angesiedelt ist. Als Hochsteuerland für Unternehmen kämpft Deutschland zudem mit hohen Sozialabgaben, sinkendem Produktionspotenzial aufgrund der demografischen Entwicklung, Bürokratie und Regularien. Hinzu kommen die hohen Energiepreise sowie steigende Belastungen durch notwendige Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.

Deutschlands größte Herausforderung sieht Dr. Holthusen jedoch im Rückgang privater Investitionen, der seit Jahren zu beobachten ist. Um Deutschland langfristig wieder wettbewerbsfähig zu machen, müsste die Politik auf die Förderung von Innovationen setzen, sowohl bei neu gegründeten Start-ups als auch bei bestehenden Unternehmen. Darüber hinaus sollte der Staat bei den Sozialabgaben durch eine umfassende Reform der Sozialsysteme Arbeitnehmer und Arbeitgeber entlasten.

Dennoch scheint sich die inländische Industrieproduktion allmählich zu verbessern: Auftragseingänge und Real-time-Daten legen derzeit zu und die expansive Fiskalpolitik trägt erste Früchte. Eine Dynamik, die im Jahresverlauf weiter zunehmen sollte.


Zunehmende globale Zinsdivergenz

In den USA ist die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unter dem bisher stärksten politischen Druck der jüngeren Geschichte. Während die Institution rechtlich geschützt ist, nutzt die Trump-Administration verschiedene Hebel, um die Geldpolitik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Bislang jedoch mit zweifelhaftem Erfolg, da die Fed institutionell stabil reagiert und ihre Autonomie durch datenbasierte Entscheidungen und den Rückhalt durch geltendes Recht verteidigt. So legte die unabhängige Zentralbank Fed mit Fokus auf Preisstabilität nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen im Vorjahr eine Pause ein und beließ den Leitzins im Januar 2026 bei 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent. Währungshüter signalisieren für den weiteren Jahresverlauf moderate Senkungen des Leitzinses. Doch Fiskalsorgen über eine mangelnde Schuldentragfähigkeit aufgrund hoher Staatsdefizite und eines steigenden Angebots an neuen Staatsanleihen halten die Renditen am langen Ende der Kurve hoch.

In Europa hat die Europäische Währungsunion (EWU) dank gedämpften Ölpreises und schwacher Konjunktur die Rückkehr zur Preisstabilität erreicht. Damit hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre „Mission“ der Inflationsbändigung für 2026 erfüllt. Doch die aktuelle Inflationsrate unter zwei Prozent ist durch wirtschaftliche Stagnation teuer erkauft. Das Risiko verschiebt sich nun von Inflationssorgen hin zu Wachstumsängsten. Obwohl diese Entwicklung die Diskussion über eine beschleunigte Zinswende befeuert hat, rechnet Dr. Holthusen dennoch auf lange Sicht mit steigenden Renditen.


Währungen

Das Währungspaar Euro-US-Dollar (USD) im Jahr 2026 zeichnet ein Bild moderater Euro-Stärke. Die Entwicklung wird maßgeblich durch die zwei gegensätzliche Kräfte USD-spezifische Risiken und die Wachstumsperspektive der Eurozone (EWU) bestimmt. Dr. Holthusen tendiert zu einem stärkeren Euro (1,20+ USD), sofern die USA ihre Zinsen weiter senken und die Eurozone das moderate Wachstum halten kann.

Die anhaltende Währungsstärke sowie die Unsicherheiten in der Eurozone und den USA treiben derzeit eine Vielzahl von Anlegern in den Schweizer Franken (CHF). Doch die Sichtweise auf die Schweizer Währung als letzter globaler „sicherer Hafen“ in der Grönland-Krise erhöht das Risiko einer Deflationsspirale. Die importierte Deflation ist ein Problem für die Schweizer Nationalbank (SNB), da sie kaum Zinssenkungsspielraum hat und FX-Interventionen (Foreign Exchange) wegen der derzeitigen Unberechenbarkeit der USA kritisch gesehen werden. Gerade hat sich die stark erhöhte Risikoaversion wieder etwas abgeflacht, bleibt aber dennoch latent vorhanden. Diese Entwicklung steht einer signifikanten EUR-CHF-Aufwertung entgegen, obwohl deutsche Fiskalpakete für globale EUR-Stärke sorgen. Dr. Holthusens Prognose unterstreicht die aktuell nahezu faire Bewertung des EUR-CHF-Wertes, der derzeit bei nur noch bei 0,94 CHF liegt.


Immobilienmärkte

Nach langem Gleichlauf gehen Wohn- und Gewerbeimmobilien in Deutschland 2026 getrennte Wege. Dabei wird die Markterholung von Mehrfamilienhäusern angeführt, die gute Vermietungsperspektive bieten. Moderne Innenstadtbüros sind derzeit gefragt, während ältere Gewerbeimmobilien zunehmend leer stehen.

Auch wenn der Innenstadthandel zunehmend unter Onlineshopping, Inflation und Konsumzurückhaltung leidet, treibt die steigende Anspannung am Wohnungsmarkt die Mieten weiter nach oben, denn nach dem Zins- und Baukostenschock kann sich der Wohnbau nur mühsam erholen. Und weil die Fertigstellungszahlen seit 2024 rückläufig sind, nimmt die Anspannung am Wohnungsmarkt voraussichtlich auch 2026 weiter zu.


Gold, Bitcoin und Aktienmärkte

Auch wenn die Preisentwicklung bei Gold seit Ende 2023 an eine Blase erinnert, verweist Dr. Holthusens logarithmische Betrachtung auf einen noch intakten langfristigen Trendkanal. Denn nachdem Gold noch am 22. Januar 2026 bei über 4.900 USD notierte, markierte es am 28. Januar mit 5.417,60 USD ein neues historisches Allzeithoch. Der Hauptauslöser für diesen „Sturm“ auf den Goldmarkt waren massive Spannungen auf der Weltbühne. Insbesondere die Drohung von US-Präsident Trump, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen, löste Schockwellen an den Finanzmärkten aus und Anleger flüchteten in großem Stil in den „sicheren Hafen“ Gold – ein Markt, der sich derzeit auf einem hohen Niveau zwischen 4.800 und 4.900 US-Dollar bewegt. Laut Dr. Holthusen werden die Entwicklungen rund um das Thema Grönland die Goldnachfrage 2026 weiterhin maßgeblich beeinflussen.

Der Bitcoin-Kurs hingegen geriet, von makroökonomischen Ereignissen beeinflusst, zuletzt unter erheblichen Druck und verlor seit Jahresbeginn zeitweise fast 20 Prozent, womit Gewinne aus der Rallye Ende 2024 nach der US-Wahl zunichtegemacht wurden. Wer hier investiert, muss mit einem langen Aufwärtstrend sowie mit teils enormen Rückschlägen rechnen.

Für den DAX sagt Dr. Holthusen ein Aufwärtspotenzial – nicht nur für 2026 – voraus. Denn auch wenn die Gewinnentwicklung in den vergangenen Jahren hier eher mau verlief, dürften die Gewinne je Aktie in den nächsten Jahren deutlich anziehen. Dr. Holthusen erwartet diesbezüglich ein zweistelliges Gewinnwachstum für 2026 und 2027.

Die Industrie ist hierbei der stärkste Treiber, da Impulse aus Infrastruktur und Verteidigung für hohe mehrjährige Aufträge bei entsprechenden Unternehmen wie Rheinmetall, Siemens Energy und Airbus 24 sorgen werden. Darüber hinaus kommt es zu Investitionswellen in Elektrifizierung, Netze, Automatisierung und KI-Infrastruktur. Zollabkommen bieten ein Mehr an Planungssicherheit, und durch Förderprogramme für E-Autos, höheres Realeinkommen sowie eine moderate Erholung des Autosektors kommt es zu einem zyklischen Auto- und Mobilitätskonsum. Ein Sektor mit klaren Risiken, denn der Markt bleibt durch den Wettbewerb mit China, durch Protektionismus und Zölle weiterhin stark umkämpft.

Das Jahr 2026 markiert zudem einen Wendepunkt, an dem die reine Begeisterung für Künstliche Intelligenz in eine Phase massiver infrastruktureller Umsetzung und monetärer Abschöpfung übergeht. Die zentralen Treiber, die dieses Gefüge stützen, sind neben KI-Investitionen auch Rechenzentren sowie Halbleiter- und Softwareunternehmen mit hoher Preissetzungsmacht.

Bei den Finanzwerten prägt die Wechselwirkung zwischen Zinsen und Marktklima das Bild. Doch während der „Zins-Boom“ bei den Erträgen seinen Höhepunkt überschritten hat, sorgen die stabile Lage an den Kapitalmärkten sowie eine anziehende Kreditnachfrage für ein weiterhin freundliches Umfeld für Finanzwerte.

Zusammengefasst gehen Dr. Holthusens Aktienprognosen für 2026 also von einer intakten Aufwärtsbewegung aus, gestützt durch ein robusteres konjunkturelles Umfeld und eine neutrale (US-)Geldpolitik.