Peter Heinrich warnt vor Sozialisierung der Staatsverschuldung durch Euro-Bonds

München, 29. August 2011

Die Münchner Bank lehnt die umstrittenen gemeinsamen Staatsanleihen ab. Der Grund: Die gemeinschaftliche Haftung für Schulden nimmt den Spardruck von den betroffenen Ländern und kostet Deutschland rund 47 Milliarden Euro.

Nach Griechenland und Spanien geraten nun auch Italien und Frankreich ins Straucheln. Eurobonds – die einer erneuten Eurokrise entgegenwirken und den betroffenen Staaten aus der Überschuldung helfen sollten – wurde aktuell von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine Absage erteilt. Eine Haltung, die die Münchner Bank unterstützt. Denn: “Eurobonds machen Sanierungsmaßnahmen für Athen, Lissabon & Co unattraktiv”, warnt Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der Münchner Bank. “Außerdem besteht die Gefahr, dass die deutschen Steuerzahler für Schulden derer mithaften, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben. Dem gilt es vorzubeugen.”

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Eurobonds – was ist das?

Die gemeinschaftlichen Staatsanleihen aller Euro-Länder, die von einer europäischen Schuldenagentur zur Versteigerung angeboten würden, bedeuten für die verschuldeten Eurostaaten: Sie können sich zu moderaten Konditionen Kredite besorgen, denn die solidarischen, finanzstarken Staaten sind bei jeder einzelnen Anleige beteiligt und bieten ihren bonitätsschwachen Partnern finanziellen Unterschlupf.

Mit negativen Folgen: Denn durch die Einführung von Eurobonds könnten sich die Zinsbedingungen für Deutschland deutlich verschlechtern. “Es ist nicht auszuschließen, dass sich als Folge der Eurobonds negativen Finanzierungsbedingungen für andere Kreditnehmer, etwa der deutschen Unternehmen, durchschlagen könnte”, so Peter Heinrich weiter. “Deshalb müssen alle Akteure in Deutschland ein großes Interesse daran haben, die derzeit stabile Wirtschaftssituation nicht durch eine Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen zu erschweren.”

Experten gehen bei Einführung der Eurobonds von einem Zinsaufschlag für Deutschland von bis zu 2,3 Prozentpunkte aus. Dies entspräche jährlichen Mehrkosten von gut 47 Milliarden Euro.

Statt einer Sozialisierung der Staatsschulden rät Peter Heinrich deshalb, ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer zu schaffen, das strikte Haushaltsdisziplin – die unverzichtbar ist – belohnt. “Die aktuellen deutsch-französischen Beschlüsse, die eine europäische Wirtschaftsregierung beinhalten genauso wie eine Schuldenobergrenze für alle 17 Euro-Staaten, die Vereinheitlichung der Unternehmenssätze und die Einführung einer Finanztraktionssteuer, gehen bereits in die richtige Richtung”, so Peter Heinrich weiter. “Ein Ausbau dieser Ansätze kann helfen, damit die überschuldeten Länder ihre Probleme dauerhaft angehen und lösen können.”